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"Tu e eu para eles"
Katja Bischof
Spiegelscherben [18/11/09]
 

An ihrem zehnten Geburtstag bekam Felicitas von ihrer Oma eine Dose. Sie war länglich ganz aus Silber und glänzte in der Sonne.
Das kleine Mädchen liebte diese Dose sehr. Sie hatte sie immer bei sich.
Eigentlich sollte man sie aufklappen können, doch niemand bekam sie auf.
Ihre Mutter meinte die Dose wäre kaputt.
Doch Felicitas Oma meinte nur: „Was weißt du schon!“ Und zu Felicitas sagte sie: „Diese Dose hat einmal einer Prinzessin gehört. Sie hat dort einen Schatz versteckt, und du wirst ihn irgendwann bekommen. Du musst dir nur alles von innen ansehen.“
Und Felicitas freute sich. Genau deshalb mochte sie die Dose so gerne.

Doch Felicitas wurde älter und glaubte schon lange nicht mehr an die Geschichten ihrer Oma. Sie war fast Erwachsen. Doch die Dose hat sie immer bei sich.
So auch an ihrem 18 Geburtstag. Sie ließ eine Grillparts steigen.
Ihr Vater stand am Gill sie stellte sich neben ihn und betrachtet ihn stolz.
Dann ging alles blitzschnell.
Ohne Grund wurden die Flammen des Grills auf einmal Riesen groß. Alle schrien auf. Felicitas fühlte nur noch die Schmerzen auf ihrem Gesicht.

Viele Monate später kann sie es immer noch nicht begreifen. Wieso ich? Die rechte Seite ihres Gesichtes hat schwer Verbrennungen davongetragen. Sie hat Schmerzen. Nicht nur körperlich, ihre Seele leidet noch viel mehr.
Die Blicke der anderen, es sind immer nur die Blicke der anderen. Jede Minute. Sie versucht ihnen auszuweichen.
Frühstücken? Nein unmöglich. Ständig die Blicke der Familie. Vor allem die vom Vater.
Auch wenn sie morgens in den Schulbus steigt schaut sie niemanden ins Gesicht. Sie möchte nicht dass jemand gezwungen ist sie anzusehen.

In der Schule ist Felicitas nun allein. Sie geht jedem aus dem Weg. Niemand will sie ansehen. Auf dem Gang nicht, im Klassenzimmer und in der Pause, alle schauen an ihr vorbei.
Einen Blick in die Augen? Selten und wenn dann nur kurz.
Keiner mag sie mehr. Niemand weiß mit ihr umzugehen.

Ihr ganzes Denken besteht nur noch aus den Fragen.
Wer sieht mich „richtig“ an?
Was denken die Menschen wenn sie mich sehen?
Wer möchte mich überhaupt noch sehen?

Ein lautes Poltern holte Felicitas aus ihren Gedanken. Glas viel auf den Boden und zerbrach. Sie schaute nach und fand den Spiegel im Zimmer ihrer Eltern zerbrochen.
Was für eine Ironie dachte sie sich. „Der Spiegel zeigt mein zerbrochenes Angesicht. Eine der Scherben hon sie auf und steckte sie in ihre Tasche, die anderen warf sie weg.




Einmal, als Felicitas allein daheim ist. Sucht sie die Kleider die sie an dem Tag ihres 18 Geburtstag an hatte.
Und findet sie, ganz hinten in der letzten Ecke des Kleiderschranks ihrer Eltern. Sicher vor ihren Augen und die ihres Vaters.
Sie weiß nicht warum aber sie muss sie sehen, sie fühlen. Vielleicht aber auch einfach nur in der Hand halten.
Und dann bemerkt sie etwas in der Hosentasche. Sie greift hinein und holt eine kleine Silberne Dose heraus. Sie ist verwundert. Wie konnte sie die nur vergessen?
Unter hört sie wie ihre Mutter laut nach ihr ruft. Vor Schreck lässt sie die Dose fallen. Sie verstaut die Kleider im Schrank und hebt die Dose wieder auf.
Nun merkt Felicitas dass sie sich geöffnet hat. Neugierig schaut sie sich die Dose an. Felicitas erschrak. Sie schaute genau in ihr Gesicht. Den auf der einen Seite war ein kleiner Spiegel.
Schnell schaute sie wieder weg. Auf die andere Seite.
Auf der Rückseite des Bildes war eine Frau, die ihr Kind im Arm hielt.
Hinter dem Bild hatte die Oma geschrieben.


Jetzt hast du den Schatz entdeckt.
Die Frau auf dem Bild ist die Gottesmutter Maria.
Sie ist auch deine Mutter, deshalb wird sie immer auf dich Acht geben.
Auf dem Bild hält sie Jesus ihren Sohn auf dem Arm. Doch auch für dich hat sie noch einen Platz frei, denn sie mag dich do wie du bist. Ihr kannst du alles anvertrauen. Stets schaut sie mit einem liebenden Blick auf dich.

In Liebe deine Oma

Felicitas schaute lange in die Augen der Gottesmutter und dann sag sie in ihr Spiegelbild. Sie lächelte.




Katja Bischof 2007
 
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